Darf man als Heiler Geld verdienen?

Darf man als Heiler Geld verdienen?

Darf man als Heiler Geld verdienen?

Wir sind es gewohnt, das die Dinge, die wir haben möchten ihren Preis haben. Das nette Abendessen im Restaurant, die Autoinspektion, der Urlaub in südlicher Sonne, ein Wellnesstag im SPA etc.  Was das Thema Gesundheit betrifft, so sind wir es gewohnt das unsere Krankenkasse das zahlt. Doch immer mehr Menschen und das ist erfreulich suchen nach Alternativen, um für Körper, Geist und Seele Heilung zu erfahren. Und hier erfahren sie, das auch diese Dienstleistung Geld kostet. Einfach weil die Krankenkasse das nicht zahlt. Das ist m.E. auch gut so, denn so kommen die Menschen zum Thema Gesundheit in die Selbstverantwortung. Der Heiler und hiermit meine ich alle Menschen, die in irgendeiner Form alternative Heilverfahren für Körper und Seele anbieten, kann und darf natürlich kein Heilversprechen geben.

Das kann der Arzt und Psychotherapeut auch nicht, wird aber immer wieder gerne vergessen. Häufig suchen diese Menschen dann nach einer Alternative, wenn die Methoden der Ärzte und Psychotherapeuten nichts oder wenig gebracht haben. Ich würde mir wünschen, wenn es hier von Anfang an mehr ein Miteinander von Schulmedizin und alternativen Heilverfahren geben würde. Zum Teil passiert es ja schon und das ist erfreulich.  Doch unser Mensch, der nun einen alternativen Heiler aufsucht erwartet, das diese Sitzung nun den Durchbruch bringt. Wohlgemerkt nachdem bereits z.T. viele - manchmal über Jahre - Konsultationen bei Ärzten und Therapeuten nicht die gewünschte Heilung gebracht haben. Und die Erkenntnis, das auch eine alternative Heilung ihre Zeit braucht, macht das Thema nicht einfacher.

Wir sind es nicht gewohnt für Heilung Geld auszugeben. Für den Urlaub schon, das Abendessen auch, die Autoreparatur auf jeden Fall - aber für Heilung? Und hilft das wirklich?


Glücklicherweise trifft er bei den meisten alternativen Heilern auf Menschen, die sich diesen Job in erster Linie aus Berufung ausgesucht haben. Einfach um anderen zu helfen. Dafür Geld zu nehmen ist den meisten Heilern fast schon eher peinlich. Da ist ein Mensch, der meine Hilfe braucht. Der kann sich das nicht leisten. Darf ich als Heiler da überhaupt Geld nehmen? Und wenn dann ganz wenig. Vergessen sind die Jahre diverser Ausbildungen, die viel Zeit und Geld gekostet haben. Vergessen wird in diesem Moment das der Vermieter, der Supermarkt, das Bekleidungsgeschäft, die Krankenversicherung etc..  - auch Geld für ihre Leistungen wollen.
In diesem Moment zählt für den Heiler nur der Mensch, der ihm gegenüber steht. Und dann nimmt er ganz wenig Geld und manchmal gar nichts. Mit der Zeit merkt der Heiler, das seine täglichen Ausgaben seine Ersparnisse aufbraucht und er sich diesen Beruf einfach nicht mehr "leisten" kann. Der Heiler geht wieder in einen regulären Job, wo die Krankenkasse und die Rente bezahlt wird und wo er wieder seine Miete zahlen kann. Seiner Berufung als Heiler geht er immer noch nach - am Feierabend und am Wochenende. Und Geld braucht er dafür dann auch nicht mehr zu nehmen - und wenn ganz wenig. Denn der Glaubenssatz "Ein Heiler darf kein Geld verdienen" ist tief in ihm verankert. Und er darf sich freuen, wenn seine geheilten Klienten ihm eine Postkarte aus dem Urlaub unter südlicher Sonne senden. Doch auch diese Feierabend-Beschäftigung unseres Heilers wird irgendwann enden. Sehr sehr schade..... für die Menschen, die Heilung suchen.

Was wir brauchen sind selbstbewusste Heiler, die sich den Wert ihrer Arbeit bewusst machen. Und dieser Wert heißt in unserer Gesellschaft "Geld". Auch ein Heiler darf ein Auto haben, ein Abendessen im Restaurant genießen und Urlaub machen. All das ist nur mit Geld möglich. Marshall Rosenberg , der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, hat einmal in einem Workshop gesagt: "Ihr bezahlt mich nicht für diese Arbeit, die ich jetzt in diesem Moment tue. Die ist schon bezahlt, sonst könnte ich nicht hier sein. Ihr bezahlt mich dafür, das ich diese Arbeit weiter tun kann. Wenn ihr wollt, das ich diese Arbeit weitermachen kann, müsst ihr mich jetzt bezahlen." Wenn wir wollen, das es weiterhin qualifizierte Heiler gibt, müssen wir sie bezahlen. Heilung hat einen Wert! Und die Heiler müssen lernen dieses Geld zu verlangen und anzunehmen.

 

P.S.: Nachdem ich bereits seit über 15 Jahren Menschen ausgebildet habe, war dieser Artikel ein Herzensanliegen. Ich möchte betonen, das ich hier niemanden persönlich im Sinn hatte, als ich dies schrieb. Die erwähnten Beispiele habe ich in vielen Varianten so mehrfach erleben dürfen. Darüber hinaus ist das ein grundsätzliches Thema grade für Menschen in Heilberufen.

 

Autor: Ralf Hungerland, Hamburg 20. August 2015


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Kommentare: 18
  • #1

    Irmhild Beek (Mittwoch, 27 Januar 2016 09:41)

    Lieber Ralf, herzlichen Dank für diese aufbauenden Worte.

  • #2

    Jolanta (Mittwoch, 27 Januar 2016 17:57)

    Lieber Ralf,

    ich bin Ihnen für diesen Artikel, von Herzen Dankbar.
    Ich habe diesen geteilt, denn Sie "schreiben" sprechen mir aus dem Herzen, aus der Seele.

    Danke das es Sie gibt
    Herzlichste Grüße
    Jolanta-H.Ahlers

  • #3

    Ralf Hungerland (Mittwoch, 27 Januar 2016 18:23)

    Danke für die freundlichen und ermunternden Kommentare.

  • #4

    Stefanie (Montag, 21 März 2016 10:33)

    Zwar bin ich kein Heiler, wie er hier verstanden wird, aber auch mir spricht dieser Artikel aus dem Herzen! Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen, und deshalb sage ich: Tausend Dank! <3

  • #5

    Guido (Montag, 21 März 2016 11:55)

    Dem kann ich nur beipflichten. Der Wert einer heilerischen und/oder energetischen Arbeit wird von einigen Menschen leider immer noch nicht anerkannt. Sie hören von z.B. von dem Stundensatz eines Heilers und rechnen ihn sofort bei einem 8-10 Stundentag auf den Monat um. Dann heisst es : Wahnsinn, was der/die mit seiner/ihrer Arbeit verdient. So schnell, ohne "wirkliche" Arbeit zu leisten leben die in Luxus. Dabei vergessen die Meisten, dass ein heilerisch arbeitender Mensch keine 8 Stunden am Stück, oder 20 Klienten am Tag abarbeiten kann. Denn der Energieaufwand bei einer heilerischen Arbeit ist oft so gross, dass der Heiler nur ein oder zwei Kunden am Tag "bedienen" kann und das oft auch nicht jeden Tag. Denn es braucht Erholungszeit zwischen den Klienten. Auf der anderen Seite sollte auch der Heiler/die Heilerin den Wert Ihrer Arbeit nicht unter Wert verkaufen oder gar umsonst anbieten. Denn ein angemessener Energieausgleich ist ein wichtiges Element der Heilung.
    Liebe sonnige Grüsse aus den spanischen Bergen
    Guido
    www.soul-man.net

  • #6

    Frank (Montag, 21 März 2016 12:12)

    Vielen Dank, ein wichtiges Thema. Wir haben diese Diskussion in der Reiki-Szene seit Anfang der 90er und es sorgte immer wieder für Probleme, zumal Vertreter der "ein Heiler / Reiki-Mensch darf kein Geld nehmen"-Fraktion hier zuweilen sehr dogmatisch sind. Aus meiner Sicht darf es jeder selbst entscheiden, ob, was und wieviel er nimmt :)

  • #7

    Oda Martin (Dienstag, 22 März 2016 08:27)

    das ist sehr gut ausgedrückt und spricht mir aus dem Herzen! Darf ich das auf meiner HP (natürlich mit allen Angaben zum Autor) veröffentlichen? Herzensgruß Ute

  • #8

    Michaela (Dienstag, 22 März 2016 08:46)

    Der Autor ist der Zeit etwas voraus (Hamburg 20. August 2016 ;-) ), aber der Inhalt passt.
    Diesen Glaubenssatz müsste man eigentlich in jeder Heilerausbildung mit als Erstes bearbeiten.
    Man darf ja auch nicht vergessen, dass man - je größer die Einnahmen sind - auch mehr "Gutes" tun kann.
    Selbst wenn man das Geld nicht für sich nutzen möchte, dann hat man sicher unzählige Institutionen und Einrichtungen im Kopf, die das gut gebrauchen können.
    Und man kann auch Leute mit gutem Gewissen kostenlos behandeln, die das Geld wirklich nicht haben und die eigenen monatlichen Unkosten trotzdem decken.

    Danke für diesen Artikel!

    Liebe Grüße
    Michaela

  • #9

    Reiki-Consultas (Dienstag, 22 März 2016 09:25)

    Es ist gut und wichtig, dieses Thema öffentlich anzusprechen und ins Bewusstsein zu rücken. Meinen Reikischülern gegenüber thematisiere ich den wichtigen Energie-Austausch auch und fordere sie auf, sich damit frühzeitig auseinander zu setzen, denn es hat auch mit Selbstwert zu tun.
    Auch wenn die Energien frei zur Verfügung stehen, ich wende meine Lebenszeit für die Heilbehandlung auf, und dafür erbitte ich um Wertschätzung in Form von xy.

  • #10

    Ralf Hungerland (Dienstag, 22 März 2016 10:01)

    Danke für die freundlichen und aufbauenden Kommentare. Der Artikel ist vom August 2015 - Schreibfehler :-) oben in der Blog-Leiste ist das Original-Datum. Wenn den Artikel jdm. nutzen möchte - Liebe Ute (Oda Martin) - bitte eine Mail an mail@timeforyoursoul.com. Der Artikel hat grade sehr viel Aufmerksamkeit. Wie habt ihr ihn entdeckt? Liebe Grüße Ralf

  • #11

    Brigitte (Mittwoch, 23 März 2016 07:11)

    Finde mich in diesem Artikel wieder. Es war ein langer Weg, bis ich mir selber guten Gewissens erlaubt habe Geld zu nehmen. Jetzt stehe ich zu meinem Wert.:-)
    Liebe Grüße
    Brigitte

  • #12

    Heidi Pfeffer (Mittwoch, 23 März 2016 20:02)

    Ich teile diesen Beitrag auch, denn Sie bringen es auf den Punkt.
    Vielen Dank ;-)
    Herzliche Grüße,
    Heidi

  • #13

    Andreas (Freitag, 25 März 2016 14:37)

    Am Ende ist es doch auch eine Frage der Nachhaltigkeit der Heilung. Wie viel dem Geheilten seine Heilung wert ist, egal ob in Geld oder anderen Tauschmedien.
    Wenn dem geheilten das nichts wert ist wird seine Heilung auch nicht von Dauer sein.

  • #14

    Susanne (Samstag, 06 August 2016 16:12)

    Es gibt sowieso nur 1 Prozent Heiler die kein Geld für Heilung nehmen. Was soll dann diese postive Bestärkung? Ein Heiler könnte zum Beispiel auch 10 Prozent seiner Arbeit kostenlso zur Verfügung stellen oder Verlosungen anbieten. Menschen die nicht in der Fülle leben und nach Hilfe fragen haben keine Chance ausser die Selbstheilung. Deswegen fände ich es schön wenn wenigstens ein kleiner Teil der Heilarbeit als Chance für die Unfülligen (um ZB in die Fülle zu gelangen) anzubieten.

  • #15

    Susanne (Samstag, 06 August 2016 16:21)

    Zusatz: Ich bin offen dafür das jeder für sich entscheidet und verurteile es auch nicht als Heiler Geld zu nehmen wenn man das als seinen Beruf ausgesucht hat. Ein Heiler sollte durch die Gemeinschaft finanziert werden um kostenfrei für die Gemeinschaft heilen zu können. Ein Heiler will sich ein Auto leisten und geht damit den Deal ein das 10 Menschen 30 Jahre leiden, dies auch weitergeben an die nächsten Generationen. Ich weiss nicht ob das so passend ist. Jedoch muss ein Heiler auch Essen und Kleidung und einen Ort zum wohnen haben. Er könnte doch wenn er ein Auto möchte was normales arbeiten am Wochenende oder bei Feierabend. Die Geschwindigkeit erhöht sich wenn es möglich wäre Strukturen zu schaffen wo Heiler Ihrer Arbeitnachgehen können. Aber nicht in dem Sinne dass nur Reiche Menschen sich Heilung leisten können. Das wäre ja so wie bei den Mietwohnungen. Arme Menschen haben weniger Rechte. Das passt nicht für mich. Wie müssen teilen lernen und verzichten wenn es Bergauf gehen soll. Dann kommt die Fülle schon automatisch. Aber dann für alle.

  • #16

    Ralf Hungerland (Samstag, 06 August 2016 16:23)

    Liebe Susanne, das tun die Heiler sowieso einen Teil ihrer Arbeit kostenlos zur Verfügung stellen. Jeden, den ich kenne hat Klienten, die er kostenlos behandelt. Darüber spricht man natürlich nicht. Die Realität ist, das das Gros der Heiler einfach zuwenig Geld nimmt. Viele haben Probleme ihre Versicherungen und Miete zu zahlen. Sie brauchen sehr wohl diese Ermutigung. LG Ralf

  • #17

    Monika Richrath (Donnerstag, 05 Januar 2017 20:14)

    Vielen, vielen Dank für diesen Artikel, lieber Ralf. Gerade habe ich mich entschieden, meine Preise zum ersten Mal anzuheben. Bislang war ich vor allen Dingen darauf fokussiert, dass meine Dienstleistung für meine KlientInnen bezahlbar bleibt. Aber jetzt ändere ich den Fokus :-) Herzliche Grüße, Monika

  • #18

    Holistischer Heiler - Christian (Mittwoch, 10 Mai 2017 08:23)

    Hallo Ralf, mir gefällt dein Artikel sehr. Heiler sollten nicht nur, sie müssen sogar Geld verdienen. Ich mache es wie die Monika, dass meine Angebote bezahlbar sind. Ich finde das immer witzig, ist das Auto kaputt, ganz gleich wie hoch der Schaden ist, es wird repariert. Hat der Geist einen Knacks, wird er in der Regel erst dann berichtigt wenn es meist schon fast zu spät ist, wenn aus dem Knacks ein riesen Dilemma geworden ist. Dahinter stecken meist noch ganz andere Themen, vielschichtiger Natur. Es zeigt sich allerdings auch immer ein Spiegel, zwischen Heiler und Klient, der betrachtet und geheilt werden will. In diesem Sinne, liebe Grüße Christian :-)